Madrid Art Film Festival 2017

29.09.-30.09.2017
Ein Reisebericht von Johannes Ziegler (KRUMP)

Mit meinem Kurzfilm KRUMP wurde ich auf das 2te Madrid Art Film Festival 2017 eingeladen. Im Vorfeld wurde bei der Selektion der Filme bereits darauf wertgelegt, dass die Filmemacher auch persönlich anwesend sein können, um ihren Film dem Publikum vorzustellen. Dies ist für das Publikum, für die Veranstalter und auch für die Filmemacher von großem Vorteil.
Das Madrid Art Film Festival ist ein junges und frisches Festival, welches von einem sehr kleinen Team geleitet wird. Das Festival zeigt an zwei Abenden, Freitag und Samstag, jeweils in verschiedenen Blöcken internationale Kurzfilme verschiedenster Genres und Budgets. Es bietet noch kein riesiges Angebot an Workshops oder Großveranstaltungen, aber es bietet umso mehr die Möglichkeit in einem sehr familiären Rahmen mit anderen Filmliebhabern in Kontakt zu kommen.

Als ich am Freitagabend, frisch gelandet in der spanischen Metropole, das Festival aufsuchte, lief bereits der letzte Kurzfilmblock des Abends. Freundlich wurde ich flüsternd in den kleinen Kinosaal geführt. Die cineastische Atmosphäre legte sich beruhigend sofort auf alle Sinne. Denn wofür werden Kurzfilme gedreht? Natürlich um gesehen zu werden, wohl eher nicht auf einen 17“ LED Bildschirm mit integrierten Lautsprechern ohne Publikum, sondern auf großer Leinwand, eingeschlossen von der Dunkelheit, die keine Ablenkung zulässt und die reine Fokussierung auf das Werk fördert.
Es ist so inspirierend andere Filme, Macharten, Ideen, Geschichten und Bilder zu sehen.
Jeder Film ist auf seine Weise ein Unikat und nur ein Filmfestival bietet wirklich den Rahmen an dieser Inspirationsquelle teilzuhaben.
Nach dem Block wurden die anwesenden Filmemacher auf die Bühne geholt und die Auszeichnungen verliehen. Ein Regisseur aus Los Angeles war, ebenso wie ein Filmemacher aus Spanien anwesend und anschließend gab es bei leckeren Kleinigkeiten und spanischem Rotwein die Chance die Fragen, die vorher im Kinosaal schon verhalten gestellt worden waren, bei lockerer Atmosphäre zu vertiefen.

Am Samstag bot es die Möglichkeit sich einer Stadtführung, geführt von einer Einheimischen, anzuschliessen. Diese Möglichkeit nutzte ich selbstverständlich, denn auch das bedeutet für mich ein Filmfestival zu besuchen, den Horizont erweitern, Neues kennenlernen, kleine Geschichten in engen spanischen Gassen zu beobachten, die gleichzeitig Inspiration für den nächsten Film sein können.

Am Abend war es nun soweit, KRUMP wurde in dem 20:00 Uhr Block gezeigt.
Ebenfalls in dem Block lief ein Musikvideo, dessen Regisseurin aus der Schweiz auch anwesend war und im nächsten Block war erneut ein junger, talentierter Regisseur aus den Staaten, Corey Deshon, mit seinem Kurzfilm „To Police“ und eine Produzentin aus England anwesend, die ich bereits gestern bei der Stadtführung kennengelernt hatte.
Sie alle wurden, wie auch KRUMP mit einem Award ausgezeichnet.
Durch den minimalistischen Rahmen bot sich die perfekte Gelegenheit mit dem Publikum, den Veranstaltern und den Filmmachern sich zuerst im Kinosaal und später im Foyer über die gesehen Werke und das Filmemachen allgemein auszutauschen.
Ich habe für mich festgestellt, dass dieser Ausflug nach Madrid, einen unerwartet großen Effekt hatte, auf meine Motivation, weiter meine Ziele und das Filmemachen zu verfolgen.
Man erhält ein Feedback von dem Publikum und von professionellen Filmemachern.
Es wird nachgefragt: „Was ist dein nächstes Projekt“.
Und mit der Rückmeldung, der Inspiration und der Horizonterweiterung kehrt man zurück und ist als Filmemacher ein winziges Stück gereift.
Ist es nicht oft dieses kleine, winzige Etwas, welches einem Film zu etwas besonderen verhilft?
Deswegen bin ich jedes Mal dankbar und versuche die Möglichkeit zu nutzen, ein Filmfestival zu besuchen.

www.madridartfilmfestival.com