LA Film Festival 2017

14.-22.06.2017
Ein Reisebericht von Afagh Irandoost (NEDA)

Mit meinem Film Neda wurde ich zum Los Angeles Film Festival 2017 eingeladen. Bei aller Freude, war ich anfangs unsicher, ob ich die hohen Kosten der Reise bewältigen kann. Zudem war die Visa-Situation für mich als Deutsch-Iranerin nicht gerade einfach. Auf der anderen Seite war es mir doch wichtig, meinen Film selber zu präsentieren. Letztendlich machen wir unsere Filme, damit wir sie präsentieren können. Dank der Unterstützung durch die AG Kurzfilm war dann endlich klar: Ich fahre nach Amerika!

Am 12. Juni bin ich in LA gelandet. Mein Visum habe ich nur sehr knapp, aber letztlich doch bekommen - und nun war ich da. Zum ersten Mal in meinem Leben in Kalifornien! Nach 20 Stunden unterwegs suchte ich mit meinem Koffer die Bushaltestelle am Flughafen. Ich fragte einen Mann um die vierzig, er half mir sehr nett, doch als er erfuhr dass ich aus Deutschland komme, regte er sich massiv über Angela Merkel auf. Überraschenderweise war ich darüber sehr verärgert und entgegnete, sie sei doch immerhin besser als Donald Trump! Das war wohl nicht die richtige Antwort, denn zu meinem Erstaunen stellte der Afro-Amerikaner sich als Trump-Wähler heraus. Vielleicht nicht die lustigste erste Begegnung mit dem Land aber zumindest eine echte Begegnung.

Am nächsten Tag habe ich meinen Filmmaker Pass abgeholt. Das war schon besonders, meinen Namen auf dem Pass zu lesen. Es war nämlich mein erstes Festival. Voller Euphorie habe ich mir dann einen Smoothie geholt, der viermal so teuer war wie in Berlin und unter der kalifornischen Sonne die Unterlagen des Festivals angeschaut. Viel mehr gab es an dem Tag auch nicht zu tun, ich kannte niemanden in LA und war total gejetlagged, bin also zu meiner Unterkunft gegangen und habe geschlafen.

Der nächste Tag war der Eröffnungstag des Festivals. Nach langen Überlegungen, was wohl der richtige Dresscode für den Tag wäre, ging es los zum Festival: Große Veranstaltung, viele Menschen, roter Teppich, Filmemacher, Schauspieler, Journalisten und die kalifornische Sonne weithin. Die Menschen standen alle in Gruppen. Ich stand alleine. Die Leute haben gequatscht, gelacht, sind hin und her gerannt und wurden ständig fotografiert. Und ich stand nach wie vor alleine da und suchte nach… ich wusste nicht genau was.

Irgendwie war es doch komisch. Ich fragte eine der Infodesk Mitarbeiter, die überall standen, was ich eigentlich machen sollte. Sie brachte mich zu einem Stand, wo ich ein Bändchen für den Eröffnungsfilm bekommen sollte. Da erst habe ich gemerkt, dass ich zu falscher Zeit am eigentlich richtigen Ort war. Ich war in der falschen Mailing List - zur Filmvorführung waren nur „Feature Filmmaker“ eingeladen, die „Short Filmmaker“ waren erst für die Party danach eingeplant. Ich stand da mit meinem Filmmaker Pass in der Hand, guckte die Person am Schalter an und versuchte diese harte aber wahre Tatsache zu verarbeiten, als die Direktorin des Festivals hereinkam und mich herzlich begrüßte. Ich denke noch immer, dass sie mich anfangs für jemand Anderes gehalten hat. Wie dem auch sei, sie hat sich um alles gekümmert, und ich konnte zum coolen Leute Event gehen. Also war ich vielleicht doch zufällig zur richtigen Zeit am richtigen Ort.

Ab der Party danach wurde alles wesentlich einfacher. Abgesehen vom leckeren Essen und Drinks und gutem Wetter, war es vor allem sehr einfach mit den Leuten ins Gespräch zu kommen. Jeden Abend gab es eine Party und während des Tages verschiedene Programme, Talks, Brunch und sogar einmal eine Yoga Stunde. Zu fast allem waren die Short Filmmaker auch eingeladen.

Zusätzlich gab es auch Programme spezifisch für Shorts. Es gab auch für uns ein kleines „Red Carpet Event.“ Eigentlich waren viel mehr Angebote da, als man besuchen konnte. Es waren Leute aus verschiedenen Branchen da, Filmemacher/in, Schauspieler/in, Produzent/in, Sound, Post Produktion, Leute aus dem Verkauf und natürlich etliche vom Festival. Die Business Cards wurden immer hin und her getauscht, und die so genannte kalifornische Flakiness, was auch irgendwie seinen Charme hatte. Ich wurde immer zuerst für eine Schauspielerin gehalten; -No, I’m the director. - Oh wow! Really? - Yes, I also wrote the script und actually produced the film myself. (Ein paar Schweigesekunden, ich würde sagen gewidmet an die männerdominierte Filmindustrie) - Awesome!

Wenn wir schon mal bei dem Thema sind, es gab auch einen Female Filmmaker Abend, zu dem alle eingeladen waren, um sich zu vernetzen. Generell war es möglich, viele Leute kennen zu lernen. Ich vermute, es ist sogar einfacher mit Leuten ins Gespräch zu kommen, gerade wenn man alleine da ist. Vielleicht am Anfang etwas komisch, aber ab dem zweiten Tag fühlt sich alles viel familiärer an.

Was mich am Anfang noch einschüchterte war das Q and A. Wie gesagt, das war für mich die erste Festival-Erfahrung und Englisch ist meine dritte Sprache. Ob ich dann das was ich sagen wollte auch auf den Punkt bringen würde, war meine Sorge. Aber man macht es irgendwie schon, alles halb so wild.

Die Teilnahme am Los Angeles Film Festival war eine wertvolle Erfahrung für mich. Ich würde es jederzeit weiter empfehlen. Und ich denke, die Möglichkeit sich über seinen Film und andere Filme auszutauschen ist etwas, das man als Filmemacher/in unbedingt nutzen sollte.

An dieser Stelle ganz herzlichen Dank an die AG Kurzfilm, die diese Reise ermöglicht hat!
Lieben Dank!

www.filmindependent.org/la-film-festival