IndieLisboa 2017

03.-14.05.2017
Ein Reisebericht von Katja Pratschke
Das International Independent Filmfestival IndieLisboa zeigt unabhängige Filme, Autorenfilme, Kino abseits vom Mainstream, neue narrative Experimente, unterteilt in Sektionen: nationaler und internationaler Wettbewerb für Kurz- und Langfilm, Silvestre, Brand New, IndieJunior, Independent Hero, Indiemusic, Director’s Cut, Mouth of Madness und Special Screenings.

Die Wettbewerbe sind Erst-, Zweit- und Drittlingsfilme vorbehalten. Die Kurzfilmprogramme der Wettbewerbe setzen sich zum größten Teil aus Filmen zusammen, die an Hochschulen entstanden sind, erweitert durch Arbeiten von Medienkünstlern, die sonst im Ausstellungskontext zu finden
sind.

Direkt nach der Einreichung unserer neusten Arbeit Seil (2016, 27 min), wurden wir eingeladen eine Werkschau als Fokus der Sektion Silvestre zu zeigen. In der Sektion Silvestre werden Filme von etablierten und jungen Filmemachern mit rebellischer Qualität, wie es das Festival formuliert, gezeigt.

Neben dem uns gewidmeten Fokus würdigte das Festival in der Sektion Independent Herows zwei weitere Filmemacher, Jem Cohen und Vecchiali, mit Retrospektiven.

Luís Mendonça (Universidade Nova de Lisboa) reflektiert in einem, in den Fokus einführenden Text, abgedruckt im Festivalkatalog: Katja Pratschke and Gusztáv Hámos: Cinema and Photography transposed über unseren künstlerischen Ansatz. Der Titel verweist auf unseren Fotofilm Transposed Bodies (Fremdkörper), wie auch auf unsere künstlerische Auseinandersetzung mit Fotografie und Film.

Der uns gewidmete Fokus mit ingesamt neun Filmen in drei Programmen lief im wunderschönen, 1947 erbauten Kino São Jorge, das zentral im Stadtzentrum auf der Avenida Liberdade liegt. Alle Filme wurden mit portugiesischen Untertiteln gezeigt. Trotz zahlreicher parallel laufender Vorführungen und heftiger Konkurrenz - der Papst kam zur Pilgerreise, Benfica Lisboa gewann die Meisterschaft und Portugal den Eurovision Song Contest - waren die Vorstellungen gut besucht. Im Anschluss an die Projektionen war Zeit für Fragen und inspirierende Gespräche, wunderbar vorbereitet und moderiert von den Festivaldirektoren und Programmieren. IndieLisboa kooperiert mit Universitäten sowie Schulen und lädt im Cineclub Studenten und Schüler zu den Projektionen ein. Diese beteiligten sich rege und aufgeschlossen an den Diskussionen.

Abends fand parallel zu den Filmvorführungen die Veranstaltungsreihe LisbonTalks statt, mit Masterklassen und Podiumsdiskussionen u.a. zum Kino als politisches Ferment, der Zukunft des Kurzfilms oder zum Fotofilm. Zu letzterer waren wir als Gesprächsgäste eingeladen, moderiert wurde das Podium von Margarida Medeiros (Universidade Nova de Lisboa), die u.a. die Publikation Cinema and Photography: 50 years of Chris Marker’s La Jetée herausgegeben hat.

Mit Aktivitäten wie Parties, Konzerten, Happy Hours, gemeinsamen Essen, eröffnet das Festivalteam zahlreiche Möglichkeiten zwischen Filmemachern, Zuschauern, Programmierern, Verleihern, Kritikern, u.a. sich auszutauschen. Die Atmosphäre ist sehr herzlich und offen.

www.indielisboa.com