PM 22.11.2019: Kurzfilm im Fernsehen bietet neue Möglichkeiten

Im Vorfeld der Verleihung des Deutschen Kurzfilmpreises fand am 20. November in Hamburg das nunmehr 2. Werkstattgespräch zum Thema „Kurzfilm im öffentlich-rechtlichen Fernsehen“ statt. Eingeladen waren etwa 30 VertreterInnen der Sendeanstalten der ARD und ZDF/arte sowie aus der deutschen Kurzfilmszene. Während des mehr als vierstündigen Austausches ging es um die Sichtbarkeit von Kurzfilmen und deren Vergütung. Die Gesprächsrunde wurde vom Mitteldeutschen Rundfunk und dem Bundesverband Deutscher Kurzfilm organisiert.

Pro Jahr entstehen mehrere tausend Kurzfilme, werden von Jurys für Festivals vorausgewählt, auf einigen Hundert Festivals gezeigt und von mehreren Tausend ZuschauerInnen innerhalb weniger Tage gesehen. Im öffentlich-rechtlichen Fernsehen taucht dagegen nur ein Bruchteil davon auf. Eine wesentliche Voraussetzung für eine höhere Sichtbarkeit von Kurzfilmen im öffentlich-rechtlichen Fernsehen ist der Ankauf von Lizenzen sowie das Koproduzieren mit Sendeanstalten. Auch die intensive Bewerbung von Kurzfilmen und Kommunikation mittels Social Media, bieten die Möglichkeit, neue Publikumsschichten zu generieren.

Fabian Driehorst, Produzent und Teilnehmer (Fabian&Fred Filmproduktion, Hamburg), formuliert klar das Ziel der Werkstattgespräche: "Herausragende Kurzfilme sind populär und international erfolgreich und sollten in jedem Sender des öffentlich-rechtlichen Rundfunks einen festen und regelmäßigen Platz bekommen. Die Werkstattgespräche sollten dazu führen, in den bestehenden Sendestrukturen Plätze oder Formate zu finden, in denen Redaktionen für ihre Zwecke kurze Filme kuratieren und thematisch einbinden können."

Im Werkstattgespräch wurde das Ziel der thematischen Einbindung von Kurzfilmen ins reguläre Programm, z.B. in Themenschwerpunkte, ebenfalls hervorgehoben. Wichtig ist es, den Kurzfilm nicht als Sonderformat zu betrachten, sondern gleichberechtigt mit anderen Filmformaten. Dadurch kann er aus dem Reservat der mitternächtlichen Kurzfilmnächte befreit und unter Berücksichtigung der Gegebenheiten in den einzelnen Landesmedienanstalten auf anderen Sendeplätzen ausgestrahlt werden. Neben der linearen Ausstrahlung hat die Mediathek die Chance, sich als ernstzunehmende Alternative zu Plattformen wie Youtube zu etablieren. Das Alleinstellungsmerkmal der Werbefreiheit kann genutzt werden, um vor allem die jungen NutzerInnen dieser Onlineplattformen für sich zu gewinnen, die zunehmend frustriert von deren wachsender Kommerzialisierung sind.

Einen tiefergehenden Einblick in die verschiedenen Positionen boten Impulsreferate von ExpertInnen aus der Praxis: Thomas Laufersweiler (ARD Mediathek/Audiothek), Katrin Küchler (unicato/MDR), Catherine Colas (Kurzschluss ZDF/arte) und Barbara Häbe (arte, stellv. Hauptabteilungsleiterin Spielfilm/Fernsehfilm) sowie Reinhard Wolf (Autor, Kurator).

Prof. Karola Wille, Intendantin des MDR, ist überzeugt: "Veranstaltungen wie diese sind für die ARD von großem Wert. Sie dienen dazu, weiter Brücken zu bauen und gemeinsam über Bedarfe und Maßnahmen der gegenseitigen Unterstützung ins Gespräch zu kommen. Unser Auftrag, alle Menschen zu erreichen und abzubilden, lässt sich nur durch eine Vielfalt der Formen umsetzen, zu denen auch der Kurzfilm gehört! Der Erhalt dieser Vielfalt ist zentral."