Cinequest Film Festival
13.03-23.03.2025
Im März 2025 durfte unser Film when I bleed seine US-Premiere beim Cinequest Film Festival in San José, Kalifornien feiern. Ich flog am 20. April nach San Francisco und fuhr von dort aus weiter nach San José, wo ich für die letzten drei Festivaltage vor Ort war.
Unser Screening fand am 22. März in einem wirklich wunderschönen, historischen Kino statt. when I bleed lief als Vorfilm zum kanadischen Langspielfilm Village Keeper – was ich als große Ehre empfand, da der Hauptfilm sehr berührend und empowernd war. Das anschließende Q&A gemeinsam mit dem Produzenten von Village Keeper war sehr schön – die Moderatorin und auch das Publikum stellten viele interessierte Fragen.
Nach jedem Filmblock trafen sich die Filmschaffenden gemeinsam mit dem Festivalteam in der Filmlounge – ein zentraler Ort, an dem man Kontakte knüpfen, Filme vorstellen und sich einfach austauschen konnte. Dort gab es kleine Pitching-Slots, in denen man seinen Film vor allen Anwesenden vorstellen konnte. Die Lounge war täglich von 12 bis 17 Uhr geöffnet – es gab den ganzen Tag Freigetränke, gratis Kaffee und Alkohol und leckeres mexikanisches Essen, was die Stimmung sehr angenehm machte und man sich sehr lange dort willkommen fühlte.
Außerdem wurde man vom Social-Media-Team zwischendurch zu kurzen Interviews eingeladen. Die Menschen vor Ort, ob es das Festivalteam, die anderen Filmschaffenden oder auch die Zuschauer*innen waren, waren wirklich sehr kontaktfreudig und herzlich, was einem sehr schnell ein sehr einladendes Gefühl gegeben hat.
Ungewohnt für mich war, wie stark das Festival auf Außenwirkung und Promotion setzte – roter Teppich, Fotowand, Interviews, tägliche Meet-ups. Im Vergleich zu vielen europäischen Festivals war das schon eher glamourös – aber trotzdem auf eine sympathische Art, weil es trotzdem keine Egos oder Überheblichkeiten gab – alle waren herzlich, offen und nahbar. Ich hatte viel mehr das Gefühl, dass das so ein amerikanisches Ding ist, was dort einfach normal ist.
Ein besonderes Highlight für mich war das „Silent Film“-Programm: Nosferatu wurde in einem alten Stummfilmkino gezeigt – mit Live-Orgelmusik, gespielt auf der Orgel, die vor 100 Jahren genau für diesen Zweck eingebaut wurde. Das war ein echtes Erlebnis – die Menschen standen lange dafür an, und ich war sehr dankbar, das miterleben zu dürfen.
Außerdem feierte The Salt Path mit Gillian Anderson dort seine US-Premiere. Gillian Anderson war persönlich vor Ort und hat sich viel Zeit für ein langes Filmgespräch genommen – auch das war ein toller Moment – nur dafür sind einige Menschen sehr weit angereist und ich fand es schön, dass es so ein eher beiläufiger Programmpunkt des Festivals war.
Die Preisverleihung lief ganz anders ab, als ich es bisher kannte: Die Gewinner*innen wurden eher nüchtern vom Moderator verlesen – ohne große Bühne, ohne Übergabe. Stattdessen holte man sich seinen Preis im Nebenraum ab. Der Moderator meinte, er wolle damit niemanden „hervorheben“. Ich fand das tatsächlich sympathisch. Danach wurden wir alle zur Closing-Night-Party eingeladen – mit Essen, Drinks und Musik. Sehr herzlich und großzügig organisiert.
Was die Organisation angeht: Das Festival hat keine Reise- oder Unterkunftskosten übernommen, es gab nur einen kleinen Rabatt im Partnerhotel – das wäre aber trotzdem zu teuer gewesen. Ich habe mir stattdessen ein zentrales Airbnb genommen (ca. 100 Euro pro Nacht). Dafür, dass es aber die ganzen Tage gratis Getränke und Essen gab, hat es das definitiv wieder gut gemacht.
Ich war eine der wenigen, die von weiter her angereist waren – die meisten Filmschaffenden kamen aus Kalifornien, so habe ich einige neue Kontakte, vor allem zu Leuten aus Los Angeles geknüpft. Und die Menschen vor Ort haben sich sehr gefreut, eine europäische Filmemacherin dabei zu haben – das war schön zu spüren.
Rückblickend hätte ich mir im Nachhinein gerne 2 Tage mehr Zeit für das Festival eingeplant. Drei Tage waren recht kurz, um dort anzukommen, zu verstehen, was wo passiert und wie man sich am besten durch das Festival bewegt – z. B. dass die Lounge eigentlich das wichtigste Networking-Event war. Da die meisten Filmschaffenden sich die Filme der anderen gar nicht ansahen, weil man die Filme später bei der Online Version des Festivals anschaute, lag der Fokus ganz klar auf dem persönlichen Austausch, was es aber eben vor Ort auch zu einer sehr schönen Zeit gemacht hat!
Fazit:
Das Cinequest war für mich eine tolle, sehr besondere Festivalerfahrung – mit spannenden Begegnungen, einem wertschätzenden Publikum und einer ehrlichen Offenheit. Ich bin sehr dankbar, dass when I bleed Teil dieses Festivals sein durfte – und würde auf jeden Fall empfehlen, Cinequest mal mitzunehmen, wenn man die Gelegenheit hat.