Tbilisi International Student Film Festival
21.-26.10.2025
Dank der Unterstützung von AG Kurzfilm und German Films konnte ich zur Festivalpremiere unseres Kurz-Dokumentarfilms ANDRO nach Tbilisi, Georgien reisen. Für unseren Film eine Reise mit besonderer Bedeutung, war er noch im Jahr zuvor in Tbilisi während der großen Maiproteste gedreht worden.
Das Festival wird durch Mitarbeiter und Studierende der staatlichen Film- und Theaterhochschule Georgiens, der TAFU, jährlich organisiert und hat eine lange Geschichte, die bis weit in sowjetische Zeiten zurückreicht. Festivalorte sind die Standorte der Hochschule im Gebäude des Filmbereichs sowie in jenem der Theater- und Schauspielausbildung und das Kino der Georgischen Filmakademie. Die beiden letzteren liegen sehr nah beieinander im Zentrum Tbilisis an der Hauptstraße, der Rustaveli Avenue; während das Gebäude der Filmmacher*innen ca. 20 Minuten zu Fuß auf der anderen Seite des Flusses liegt.
Das Festival organisiert den Transfer vom Tbilisi Airport zum Hotel, welche ca. 40 Minuten auseinander liegen. Die Übernachtung erfolgte mit allen Festivalgästen sehr zentral in einem Ibis-Hotel welches nicht nur nah am Festivalkino gelegen ist, sondern auch in einem sehr belebten Viertel liegt. Im Hotel hatte man beim Frühstück Gelegenheit die anderen Internationals zu treffen und sich auf den Tag einzustimmen. Verpflegung gab es mittags über die Hochschule, welche eine Mensa mit sehr guter Essensqualität betreibt. Allerdings muss ich anmerken, dass man als sich vegan ernährende Person mit der georgischen Küche Schwierigkeiten bekommen kann, da sie sehr Fleisch- und Käse-lastig ist. Einige Auswahlmöglichkeiten hat man aber.
Das Festival bietet jedes Jahr Workshops mit internationalen Gästen an. In diesem Jahr waren Radostina Nevikova, mit einem Workshop zu unkonventionellen Animationstechniken, Axel Block, mit einem Workshop zu Kamera und Bildsprache und Adriano Valerio, mit einem Workshop zu Filmregie zu Gast. Alle drei sind oder waren Professor*innen an renommierten internationalen Filmhochschulen. Die Workshops finden auf Englisch statt.
Die Filmauswahl war sehr inspirierend und international. Auf dem Festival kann man Filmstudierende aus Georgien und der ganzen Welt kennenlernen und es waren viele internationale Studierende mit ihren Filmen anwesend. Da man sehr freundlich empfangen wurde konnte man bei den Workshops, Screenings, Essen oder Stadtspaziergängen sehr gut Kontakte knüpfen. Das Pitching Forum allerdings richtet sich nur an georgische Studierende.
Über den Zeitraum des ganzen Festivals berichtet das georgische Fernsehen über die Events bis hin zur Preisverleihung, darüber hinaus wurden kleine Interviews für Social Media mit mir und anderen Filmemacher*innen geführt, allerdings eher für die Außendarstellung des Festivals und weniger für die Filme.
Die Screenings waren sehr gut besucht. Das Kino war an den Tagen, an denen ich dort war, fast schon überfüllt. Das liegt vermutlich auch daran, dass der Eintritt kostenlos ist. Es gibt kein klassisches Q&A, aber eine Vorstellung vor dem Film mit der Möglichkeit, sich ans Publikum zu wenden. Dafür sind die Reaktionen nach dem Screening umso lebendiger, da sich alle in den Pausen und nach dem Screening vor dem Kino versammeln und es gute Möglichkeiten gibt, Gespräche zu führen.
Vielleicht hatte ich auch mit unserem Film einen Vorteil, da er auf Georgisch ist und sich mit der politischen Lage im Land auseinandersetzt. Obwohl die georgische Gesellschaft ob der repressiven Politik gespalten ist, hatte ich auch mit einem kritischen Film keinerlei Probleme bei der Einreise. Das war nicht ganz selbstverständlich, da die Regierung die Kontrolle über Medien und auch Festivals verschärft hat. Trotz andauernder Proteste in der Hauptstadt konnte man sich jederzeit frei bewegen, die Lage war sehr friedlich.
Die Projektionsqualität der Filme war insgesamt das größte Manko, da die Ton- und Bildqualität vor Ort eher etwas ruckelig war.
Nichtsdestotrotz ist das Festival in jedem Fall eine Reise wert. Tbilisi ist eine sehr schöne Stadt mit einer ziemlich einzigartigen Architektur zwischen Orient- und Okzident und Georgien selber hat eine wunderschöne Landschaft. Die gemeinsamen Erfahrungen mit den internationalen Filmstudierenden und der kulturelle Austausch waren sehr inspirierend und herzlich und machen das Festival zu einer schönen Gelegenheit, Filmemacher*innen aus der ganzen Welt kennenzulernen.