Festival du Cinema Européen Lille 2026
06.-11.03.2026
Diesmal geht die Festivalreise in die alte Hauptstadt Flanderns, die auch Geburtsstadt von Charles de Gaulles ist. Lille liegt im Norden Frankreich, zwanzig Kilometer nah von der belgischen Grenze und nur siebzig Kilometer von der Nordseeküste entfernt. Die eigentliche Stadt ist mit 230.000 Einwohner nicht zu groß, allerdings ist das Einzugsgebiet mit 1,5 Millionen Bewohner recht ausgedehnt.
Wegen der Deutschen Bahn habe ich meinen Anschluss in Brüssel und so leider auch die erste Vorführung meines Films in Lille verpasst. Als ich dann im Bahnhof Lille Europe aus dem TGV steige, fahre ich mit meinem Klapprad direkt zum Place de la Republique, wo sich das Festivalzentrum befindet. Ich werde dort sogar auf deutsch begrüßt und sogleich mit Akkreditierung und allen nötigen Informationen versorgt. Über eine WhatsApp Gruppe sind alle Filmemacher mit dem Festivalteam vernetzt. So ist man über alle Termine und vor Ort informiert und kann sich mit allen untereinander austauschen. Obgleich alle Teammitglieder englisch können, wird dann natürlich doch mehr französisch gesprochen. Man verzeiht mir mein schlechtes Französisch, allerdings habe ich oft Schwierigkeiten den Diskussionen zu folgen. Von den anwesenden Filmemachern sind die meisten Franzosen.
Auf dem 42. Festival des europäischen Films werden 52 Filme aus 21 Ländern in 9 verschiedenen Wettbewerbsprogrammen präsentiert. Neben einem umfangreichen Programm außerhalb der Wettbewerbe wie z.B. einer Nuit de la Peur, gibt es auch noch einen Drehbuch Wettbewerb, für den man sich allerdings extra bewerben muss.
Die vier Kinos des Festivals sind teilweise weiträumig auf die auf die Stadt verteilt. Da die Filme jeweils 2-3 wiederholt werden habe ich in drei Tage viel von dem Wettbewerb gesehen. Mit meinem Vélo pliant komme ich zügig auf den vorbildlich ausgebauten Radwegen von einem Kino zum andern und sehe dabei viele Aspekte der Stadt. Viel schöne alte Architektur steht im Kontrast zu einem wilden Mix aus modernen Epochen. Neben den gutsituierten Vierteln, in denen die beiden Multiplex-Festivalkinos Le Majestic und Le Metropole liegen, gibt es natürlichen auch die düsteren ärmlicheren Gegenden. In einem dieser eher tristen Viertel liegt mein Festivallieblingskino, das l´Univers. Es ist ein von Studenten betriebener cineastischer Ort mit angeschlossener Galerie. Die Filme sind für meinen Geschmack sehr gut ausgewählt und auch sehr passend in den Programmen thematisch zusammengefasst. Ich bin weitestgehend beeindruckt von der Qualität der Filme. In den Gesprächen nach den Filmen erfährt man durch die anwesenden Filmemacher viel über die teilweise sehr unterschiedlichen Produktionsbedingungen.
Am letzten Tag habe ich leider auch bei der zweiten Vorführung meines Filmes Pech. Diesmal fällt der Eurostarzug in Lille aus und ich muss eine Verbindung früher nehmen. So kann ich nur etwas vor meinem Film dem Publikum erzählen und nicht die Fragen hinterher beantworten, weil ich da schon zum Bahnhof radeln muss. Immerhin habe ich noch den größten Teil des Programms gesehen und über die WhatsApp Gruppe ein paar Reaktionen erhalten. Da wäre auch der einzig schlechte Eindruck, den ich von meiner Reise mitteilen muss: Le Schlamperei von Deutsche Bahn scheint auch bei Eurostar und TGV zu herrschen oder wie die Franzosen sagen: der europäische Fahrplan ist nur auf dem Papier gut.
Aber ich will mein Fazit nicht negativ beenden. Das Festival hat eine hervorragende Programmauswahl und das Festivalteam ist sehr freundlich und zugewandt.
Also auf nach Lille, aber vielleicht nicht mit der Bahn, sondern gleich mit dem Fahrrad!