Offener Brief:

AG Kurzfilm wendet sich gegen 30-Prozent-Kürzung beim EU-Programm AgoraEU

Europäische Kurzfilmbranche schließt sich zusammen – 30-Prozent-Kürzung unverhältnismäßig und unannehmbar

16.10.2026

Zwei angedeutet weiße Pfeile auf orangem Grund.
(c) AG Kurzfilm

Die AG Kurzfilm – Bundesverband Deutscher Kurzfilm lehnt die geplanten drastischen Kürzungen beim künftigen EU-Förderprogramm AgoraEU entschieden ab. Gemeinsam mit Kurzfilmfestivals, Trainingsprogrammen, Filmmärkten und Koproduktionsplattformen aus ganz Europa hat sie sich dafür zu einem neu gebildeten, informellen Bündnis zusammengeschlossen, der Short Film Coalition. In einem Offenen Brief an die Mitglieder des Europäischen Rates fordert die Koalition, die Kürzungen zurückzunehmen. Anlass ist der Verhandlungsvorschlag der irischen Ratspräsidentschaft zum Mehrjährigen Finanzrahmen (MFR) 2028–2034 vom 10. Oktober: Er sieht vor, AgoraEU von 8,6 auf 6 Milliarden Euro zu kürzen – ein Einschnitt von 30 Prozent.

Den Brief haben bislang zahlreiche, darunter namhafte Kurzfilmorganisationen aus dem In- und Ausland unterzeichnet, täglich kommen weitere hinzu. In Deutschland gehören dazu Festivals, Verleih- sowie Vertriebsfirmen und Branchenverbände wie die Internationalen Kurzfilmtage Oberhausen, DOK Leipzig, die Kurzfilm Agentur Hamburg und die AG Animationsfilm. International unterstützen unter anderem das Clermont-Ferrand International Short Film Festival sowie die Netzwerke European Short Film Network und Short Film Conference den Aufruf.

Für den Kurzfilm in Deutschland steht dabei besonders viel auf dem Spiel: Festivals, Nachwuchsprogramme und wichtige Fachangebote für Kurzfilmschaffende sind hierzulande in hohem Maße auf europäische Fördermittel angewiesen. Eine Kürzung um fast ein Drittel hätte für die Branche entsprechend gravierende Folgen. Am stärksten träfe es kleinere und unabhängige Organisationen, die Zugang zu Weiterbildung, Vernetzung und internationalen Märkten in diesem Sektor ermöglichen.  

Fast ein Drittel weniger – für kaum messbare Einsparungen
AgoraEU ist das geplante Dachprogramm der EU für Kultur, Medien und Demokratie ab 2028. Es soll unter anderem das bisherige Programm Kreatives Europa mit den Bereichen KULTUR und MEDIA bündeln. Für den Kurzfilm ist es die wichtigste europäische Förderquelle.

Die Kürzung trifft AgoraEU weit überproportional. Insgesamt soll der EU-Haushalt laut Vorschlag um rund 8 Prozent sinken. AgoraEU verlöre dagegen 30 Prozent – fast viermal so viel. Der Spareffekt ist minimal: Die eingesparten rund 2,6 Milliarden Euro entsprechen nur etwa 0,14 Prozent des gesamten MFR.

Unverhältnismäßig und unannehmbar
„Eine Kürzung um 30 Prozent spart im EU-Haushalt fast nichts, reißt aber eine tiefe Lücke in die europäische Film- und Kulturlandschaft. Besonders hart träfe sie die ohnehin stark unterfinanzierte Kurzfilmszene in Deutschland“, sagt Jana Cernik, Geschäftsführerin der AG Kurzfilm. „Der Kurzfilm lebt von europäischer Zusammenarbeit – von Festivals, Trainingsprogrammen, Filmmärkten, Co-Produktionsplattformen und Netzwerken über Grenzen hinweg. Wir erwarten von der Bundesregierung, dass sie sich in Brüssel für ein starkes AgoraEU einsetzt.“ 

Gemeinsam mit der Short Film Coalition fordert die AG Kurzfilm die Mitgliedstaaten auf:

  1. die unverhältnismäßigen Kürzungen abzulehnen und mindestens die von der Kommission vorgeschlagenen 8,6 Milliarden Euro für AgoraEU zu sichern,

  2. AgoraEU als kritische Infrastruktur für Europas Zukunft anzuerkennen – als stabiles, verlässliches und ausreichend ausgestattetes Programm für Kultur, Film, unabhängige Medien und Zivilgesellschaft in allen Regionen,

  3. in den Bereichen Kultur und MEDIA gezielt unabhängige Organisationen, Trainingsprogramme, Filmmärkte, Co-Produktionsplattformen, Festivals und grenzüberschreitende Netzwerke abzusichern.

Hintergrund 
Der Mehrjährige Finanzrahmen (MFR) legt den EU-Haushalt für sieben Jahre fest. Die Kommission hatte ihren Vorschlag für 2028–2034 im Juli 2025 vorgelegt. Die irische Ratspräsidentschaft hat am 10. Oktober 2026 eine überarbeitete Verhandlungsbox präsentiert, um die Positionen der Mitgliedstaaten vor dem Europäischen Rat am 15. und 16. Oktober anzunähern. Der MFR braucht am Ende die Zustimmung des Europäischen Parlaments.

[Download] Open Letter: Short Film Coalition Opposes the Proposed Cuts to AgoraEU