06.05.2022

2002 – Als der Kurzfilm baden ging

(c) IMAGO / STAR-MEDIA
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Robin Mallick, Gründungsmitglied der AG Kurzfilm und ehemaliger Leiter des Filmfest Dresden, rekapituliert die Entstehung des Kurzfilmverbandes im Mai 2002, dessen Verortung in der sächsischen Landeshauptstadt sowie dessen beginnenden Einfluss im In- und Ausland.

Im April 2002 war noch alles in Ordnung. Das Filmfest Dresden zelebrierte taufrische Oscar-Renner und eigenwillige Experimentalfilme in seiner 14. Edition, doch im August kam alles anders: Statt erhoffter 4.000 ekstatischer Zuschauer*innen bei der Kurzfilmnacht zum Saisonhöhepunkt bei den Filmnächten am Elbufer präsentierte die Elbe einen historischen Höchststand von 9,40 Meter, und mit der famosen Kurzfilmnacht ging es elbabwärts.

Aber glücklicherweise wurde just in diesen vier Monaten die AG Kurzfilm gegründet, um dem deutschen Kurzfilm endlich mehr Gehör in der filmpolitischen Öffentlichkeit zu verschaffen und ihm samt seiner Vielfalt eine größere Sichtbarkeit auch im Ausland zu bescheren und auf den Filmmärkten in Clermont-Ferrand, Berlin, Cannes und Annecy präsent zu sein. Neidisch hatte ich Jahr für Jahr in Clermont-Ferrand auf die so erfolgreichen Stände der nordischen, helvetischen, französischen, britischen, kanadischen… Filminstitute geschielt. Im Mai 2002 war das Seufzen jäh beendet, als alle wichtigen kurzfilmischen Protagonist*innen in erstaunlicher Einigkeit die AG Kurzfilm gründeten und ihre Geschäftsstelle ausgerechnet nach Dresden verfrachteten. In eine Stadt, wo weder unzählige Kurzfilme produziert wurden noch eine Filmhochschule ansässig war und die schon gar nicht das älteste Kurzfilmfestival der Welt ihr Eigen nennen konnte. Aber Pioniergeist – und als das Sächsische Staatsministerium für Wissenschaft und Kunst in ministerialbürokratisch unerhörter Eile seine Förderschatulle öffnete, war die Entscheidung schnell getroffen.

FFA, BKM, FFG und weitere dreibuchstabige Akronyme beherrschten fortan den Diskurs in den Sitzungen, an denen der Kurzfilm, leibhaftig personifiziert durch die AG-Geschäftsführerinnen, plötzlich teilnehmen durfte und sogar Gesellschafter von German Films wurde. Dass der Kurzfilm in der Öffentlichkeit eine institutionalisierte Lobby erhielt, im Ausland eine noch größere Sichtbarkeit erhielt und selbst ZDF- und Berlinale-Intendant*innen nicht mehr sicher waren vor der knallharten Kurzfilmverbandslobby, ist ein Grund zum Feiern zum 20. Jubiläum.

Und noch eine Errungenschaft: Anders als viele andere Verbände hat die AG Kurzfilm nie eine Frauenquote benötigt. Sowohl die Geschäftsstelle als auch der Vorstand zeigten sich die ganzen 20 Jahre lang feminin inspiriert.

 

Vive l‘AG Kurzfilm!

Robin Mallick
Gründungsmitglied der AG Kurzfilm, Leiter Filmfest Dresden 1999-2009